TAPEN GEGEN DEN SCHMERZ?

Tape dich frei berichtet von der Wirkungsweise und richtigen Anwendung der Tapes.

Die elastischen Tape-Bänder werden einfach auf der Haut angebracht, massieren das Gewebe und lindern so viele Beschwerden.

Kenzo Kase war noch nicht zufrieden. Ende der siebziger Jahre versuchte der japanische Chiropraktiker, den Effekt seiner Behandlungen mit einfachen medizinischen Bandagen zu verstärken, aber viel brachte das nicht. Dann kam ihm eine Idee für etwas ganz Neues: Was würde passieren, wenn er elastische Bänder auf den Körper klebte, die bei jeder Bewegung die Haut behutsam dehnten? Seine Experimente zeigten Wirkung.
Das Kinesiologie-Taping war erfunden, abgeleitet vom griechischen „kinesis“, das heißt Bewegung, und von „tape“, dem englischen Wort für Klebeband.

Heute setzen Physiotherapeuten und Orthopäden die Tapes zur Behandlung vieler Erkrankungen ein, von Migräne, Kopfschmerz und Menstruationsbeschwerden über Verspannungen von Schultern und am Rücken, speziell der Halswirbelsäule bis zu Arthrose, Bandscheibenvorfällen, bei Problemen mit dem Sprunggelenk, der Kniescheibe, Achillessehne und Schäden im Knie am Meniskus. Auch Laien können sich mit Tapes versorgen und präventiv die Tapes aufkleben.
Zahlreiche Studien belegen mittlerweile die Wirksamkeit des Tapings. So hat in Kiel Willem Evermann, Arzt für Naturheilverfahren, die Krankheiten von 65 Patienten mit den medizinischen Klebebändern behandelt. Darunter waren Hexenschuss, Nackenschmerzen und entzündete und überlastete Muskeln. In allen Fällen war das Taping einer Behandlung durch andere Körpertherapien oder Medikamente überlegen. Für eine polnische Studie wurden Patienten nach einer Operation der Gallenblase mit Tapes behandelt. Ärzte klebten die Bänder auf Areale des Bauches, die in der Medizin als Reflexzonen bekannt sind.
Die Wirkung nach der Operation war so effektiv, dass schmerzstillende Mittel deutlich niedriger dosiert werden konnten als üblich.

WIE KOMMT DIE WIRKUNG ZUSTANDE?
Der Buchautor Ernst Pohlmann ist Physiotherapeut und leitet den Verband Deutscher Physiotherapeuten. Er begann mit Kinesiologie-Tapes zu arbeiten, nachdem er sie im Jahr 2000 sowohl beim deutschen Team bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney, als auch an asiatischen Sportlern gesehen hatte. „Wir wissen heute, dass solche Tapes auf die Haut einen Reiz ausüben, der über Nervenleitungen auf innere Organe wirkt“, erklärt Pohlmann. „Diese Signale können auch die Schmerzsysteme von Gehirn und Nerven beeinflussen und so den Schmerz lindern.“

BINNEN STUNDEN BEGINNT DIE WIRKUNG DER TAPES
Doch die Streifen aus Baumwolle, die mit einem hautfreundlichen Acrylkleber beschichtet sind, wirken auch direkt vor Ort: Sie entlasten Muskeln, Sehnen und Gelenke und lassen so den Schmerz abklingen. Weil die Bewegungen nicht mehr wehtun, nimmt der Patient keine Schonhaltung ein. Darum bleibt die Statik des Körpers im Gleichgewicht und Fehlbelastungen in Gelenken und in der Wirbelsäule werden vermieden. Zusätzlich regt der sanfte Zug an der Haut bei Bewegungen die Durchblutung und den Fluss der Lymphflüssigkeit an. Nährstoffe werden besser ins Gewebe gebracht und Entzündungsgifte
schneller abtransportiert. Einen eigenen Wirkstoff, wie er in ABC-Pflastern verwendet wird, enthalten sie nicht.
Die Wirkung der Tapes tritt meistens nach drei bis fünf Stunden zu wirken, oft aber auch schon nach 30 Minuten.

TAPINGS SORGEN FÜR SANFTE DAUERMASSAGE
Wenn die Bänder erst einmal kleben, dann halten sie auch bis zu zwei Wochen, und sie fühlen sich sogar gut an. „Sie müssen sich das vorstellen wie eine sanfte 24-Stunden-Massage“, erläutert Pohlmann. Die Bänder lassen die Haut atmen, haften auch beim Sport und können nach dem Duschen einfach abgetrocknet werden. „Ich habe Patienten, die ihre Tapes am liebsten gar nicht mehr abnehmen würden.“ Die Bänder sind in vielen Farben erhältlich.
Da liegt die Frage nahe, ob die Farben auch eine heilende Wirkung haben. Manche Patienten und Physiotherapeuten deuten die Farben allerdings als reine Geschmackssache.“

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